Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen: 65 Jahre gemeinsames Leben in Lübeck

26. Oktober 2026, Lübeck: „Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kommen Menschen.“ Was Max Frisch 1965 schrieb, gilt bis heute. Zum 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens am 30. Oktober würdigt die SPD-Bürgerschaftsfraktion die Menschen aus der Türkei und ihre Familien für ihren Beitrag zu Wohlstand, Zusammenhalt und Stadtleben in Lübeck.
„Sie kamen als sogenannte Gastarbeiter:innen, aber sie waren weit mehr als Gäste. Sie wurden Kolleg:innen und Nachbar:innen, gründeten Familien und Unternehmen und haben unsere Stadt mitgeprägt“, sagt Aydin Candan, Fachsprecher für Tourismus und Integration der SPD-Bürgerschaftsfraktion. „Wir sprechen nicht über 65 Jahre Migration, sondern über 65 Jahre gemeinsame Geschichte und gemeinsames Leben.“
Die erste Generation arbeitete in Fabriken und auf Baustellen, oft unter schwierigen Bedingungen, mit Sprachbarrieren, wenig Aufstiegschancen und gegen Vorurteile. Heute sind ihre Kinder und Enkel in allen Bereichen der Gesellschaft zu Hause: im Handwerk, in Arztpraxen, Schulen, Unternehmen und im Ehrenamt.
Für die SPD-Bürgerschaftsfraktion folgt daraus ein klarer Anspruch an die Gesellschaft: Herkunft darf nicht über Lebenschancen entscheiden. Dazu gehören gleicher Zugang zu Bildung, Ausbildung und Arbeit, der konsequente Abbau von Diskriminierung und echte politische Teilhabe. „Wer seit 30, 40 oder 50 Jahren hier lebt, arbeitet und Kinder großzieht, darf nicht dauerhaft außen vor bleiben. Wir brauchen niedrigere Hürden bei der Einbürgerung und eine offene Debatte über demokratische Mitbestimmung“, so Candan.
Die SPD-Bürgerschaftsfraktion schließt sich dabei den Worten von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an: „Die Bereitschaft, engstirnigen Nationalismus und kulturellen Hochmut hinter sich zu lassen, auf andere zuzugehen, sich aufeinander einzulassen, voneinander zu lernen, ist die beste Voraussetzung für ein friedliches Miteinander und für eine bessere Zukunft.“
„Wir wollen ein Lübeck, in dem Zusammenhalt stärker ist als Ausgrenzung und Respekt wichtiger als Vorurteile. Rassismus hat hier keinen Platz. Die Geschichte der türkischstämmigen Lübecker:innen ist Teil unserer Stadtgeschichte, und ihre Zukunft ist Teil unserer gemeinsamen Zukunft“, so Candan.


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