SPD-Fraktion lässt „Rot trifft…“ wieder aufleben: Auftaktgespräch zur Ausstellung „Zachor: Erinnere Dich!“ in St. Marien

29. September 2026, Lübeck: Die SPD-Fraktion belebt ihre Podcastreihe „Rot trifft…“ neu. Künftig sind dort wieder interessante Gespräche und spannende Hintergründe zu sehen und zu hören.
Den Auftakt macht ein Gespräch des Fraktionsvorsitzenden Peter Petereit mit der Malerin Dagmar Calais und dem Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher Chris Steinbrecher. Gemeinsam haben sie die Ausstellung „Zachor: Erinnere Dich!“ konzipiert und realisiert, die derzeit in der St. Marienkirche zu sehen ist. Sie erinnert an die Deportation jüdischer Menschen aus Lübeck nach Riga: Am 6. Dezember 1941 wurden 91 Menschen deportier, die meisten von ihnen in den Tod. Nur sechs überlebten.
Ende November und Anfang Dezember 1941 ermordeten die Nationalsozialisten im Wald von Rumbula nahe Riga an nur zwei Tagen mehr als 25.000 jüdische Menschen! Sie wurden ermordet, um Platz zu schaffen für die Juden aus dem Reich, eben auch für die aus Lübeck deportierten. Weil die Transporte schon geplant waren, musste in aller Windeseile das Ghetto geleert werden.
Begehbare Bilder zeichnen in der Ausstellung den Weg nach – von der Alten Synagoge Lübecks über Bad Oldesloe, Hamburg und Danzig bis in den Tod in Lettland. Für jedes Opfer steht eine eigene Stele. So auch für die Geschwister Prenski nach denen die Gemeinschaftsschule in St. Gertrud benannt wurde: Ihre Mutter wurde 1940 mit den drei jüngeren Kindern aus ihrem Haus in der Adlerstraße vertrieben und am 6. Dezember 1941 zusammen mit allen noch in Lübeck lebenden jüdischen Familien nach Riga deportiert. Die Kinder wurden dort kurze Zeit später ermordet, die Mutter kam 1944 im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig ums Leben.
„Wir wollen die Menschen zurückholen und ihre Geschichte erzählen. Die Nazis wollten diese Leben auslöschen. Dabei hatten sie Familie, Nachbarn und Freunde hier in Lübeck“, sagt Dagmar Calais.
Über einen QR-Code auf jeder Stele lassen sich Informationen abrufen, die gemeinsam mit dem Projekt Stolpersteine gesammelt und aufbereitet wurden. Neben den Fakten ist den Ausstellungsmachern auch die emotionale Ebene wichtig – dafür bietet das Seitenschiff der Marienkirche einen besonderen Raum. Besonders eindrucksvoll sind zwei dunkle Säulen, aus deren unzähligen Löchern helle Lichtpunkte fallen. Sie erinnern an Einschusslöcher der beiden Mordaktionen im Dezember 1941 im Wald von Rumbula.
Die Ausstellung versteht sich nicht nur als Beitrag zur Erinnerungskultur, sondern mahnt auch die Verantwortung in der Gegenwart an. „Rechte Populisten sind heute wieder auf dem Vormarsch. Das erinnert stark an die Weimarer Zeit. Deshalb ist es wichtig, immer wieder Projekte zu realisieren, die zeigen, wohin es führt, wenn man solche Tendenzen zulässt“, betont Chris Steinbrecher.
Tief bewegt zeigten sich die Ausstellungsmacher und Peter Petereit von einem Eintrag im Gästebuch vom Vortag. Die Verfasserin oder der Verfasser hat in Lettland die jüdische Großmutter und den Onkel verloren. Der Eintrag endet mit den Worten: „Nie wieder ist jetzt.“
Die Ausstellung „Zachor: Erinnere Dich!“ ist noch bis zum 5. Oktober 2026 in St. Marien zu sehen.
Der Podcast „Rot trifft…“ ist auf YouTube und allen gängigen Podcast-Plattformen abrufbar.

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