SPD-Fraktion fordert weitere Anstrengungen bei der Klimaanpassung
- Jonas Bernzen

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19. August 2026, Lübeck: Die SPD-Fraktion in der Lübecker Bürgerschaft mahnt mehr Engagement bei der Klimaanpassung an und fordert die Verwaltung auf, ihre Maßnahmen trotz angespannter Haushaltslage fortzusetzen und zu intensivieren. Anlass ist eine aktuelle Bestandsaufnahme zu den Folgen des Klimawandels in Lübeck: Die Stadt tut mit dem 2020 beschlossenen Klimaanpassungskonzept bereits einiges – doch der Sommer 2026 mit seinen Hitzewellen und Starkregenereignissen hat gezeigt, dass Klimaanpassung ein immer dringenderes Thema wird.
Bereits mit der Feststellung des Klimanotstands im Mai 2019 hatte die Bürgerschaft anerkannt, dass Lübeck neben der Reduzierung von Treibhausgasen auch aktiv mit den Folgen des Klimawandels umgehen muss. 2020 legte der Bereich Umwelt, Natur und Verbraucherschutz (UNV) gemeinsam mit externen Fachbüros das „Klimaanpassungskonzept für die Hansestadt Lübeck" vor – 195 Seiten in der Langfassung, 40 Seiten in der Kurzversion. Bau-, Umwelt- und Hauptausschuss sowie die Bürgerschaft beschlossen das Konzept im September 2020 unverändert und beauftragten die Klimaleitstelle mit der Koordination der Umsetzung.
Wetterextreme nehmen messbar zu – Hitzewellen sind ein erhebliches Gesundheitsrisiko
Die Analyse zeigt deutliche Trends: Die Zahl der Starkregentage – Tage mit mehr als 20 Liter Niederschlag pro Quadratmeter – schwankt zwar von Jahr zu Jahr, nimmt aber tendenziell zu. Um solche Ereignisse besser einordnen zu können, hat die Verwaltung im April 2026 einen eigenen Starkregenindex (SRI) eingeführt, der die Gefahrenlage vergleichbar zur Richterskala bei Erdbeben beschreibt. Auch Hitzetage und Tropennächte werden häufiger: Wurden zwischen 1961 und 1990 im Bundesmittel nur etwa alle sieben Jahre eine Tropennacht gemessen, war es im Jahrzehnt 2011 bis 2020 bereits mehr als jedes zweite Jahr eine. Allein im Juni und Juli 2026 zählte Lübeck bereits zwei Tropennächte. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts soll die erste Hitzewelle allein im Juni 2026 bundesweit bereits mehr als 5.000 Hitzetote gefordert haben.
Auch die Gefahr durch Ostseehochwasser wächst: Der Meeresspiegel der Ostsee steigt derzeit um etwa 1,4 bis 2 Millimeter pro Jahr, langfristige Szenarien rechnen mit einem Anstieg um bis zu einem Meter bis zum Jahr 2100. Besonders gefährdet sind die Priwall-Halbinsel sowie der westliche Altstadtrand entlang der Ober- und Untertrave.
Klimaschutz und Klimaanpassung müssen Hand in Hand gehen
Parallel zu den zunehmenden Wetterrisiken bleibt auch der Klimaschutz gefordert. Die CO2-Emissionen im Lübecker Stadtgebiet sanken zwischen 2019 und 2024 nur um rund zehn Prozent – von 1,64 Millionen auf 1,46 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Um das Ziel einer Halbierung bis 2030 und Klimaneutralität bis 2035 zu erreichen, muss die Reduzierung weiter an Fahrt gewinnen. Während die Emissionen aus Industrie und verarbeitendem Gewerbe zurückgingen, stagnieren die Anteile von Verkehr und privaten Haushalten nahezu unverändert.
„Die Stadt tut mit dem Klimaanpassungskonzept schon einiges – das erkennen wir ausdrücklich an. Aber dieser Sommer mit seinen Hitzewellen und Starkregenereignissen hat noch einmal gezeigt, wie dringend das Thema Klimaanpassung für Lübeck ist. Wir appellieren an die Verwaltung, die eingeschlagenen Maßnahmen konsequent fortzusetzen und spürbar zu intensivieren", erklärt Dr. Marek Lengen, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.
21 Maßnahmen, fünf Leitlinien
Das Konzept von 2020 formuliert 21 konkrete Maßnahmen entlang von fünf Leitlinien: die Stadt gemeinsam anpassen, Starkregenereignisse puffern, Hochwasserschutz gewährleisten, Trockenheit und Erwärmung reduzieren sowie Grünräume für Mensch und Natur entwickeln. Dazu zählen unter anderem eine Klimaanpassungssatzung für Dach- und Fassadenbegrünung, eine Überflutungsgefahrenkarte, der Erhalt klimatischer Ausgleichsräume und Frischluftschneisen sowie wassersensible Straßenraumgestaltung und Beratungsangebote für Gewerbebetriebe.
„Vieles von dem, was 2020 beschlossen wurde, ist auf einem guten Weg. Jetzt kommt es darauf an, dranzubleiben: bei der Überflutungsgefahrenkarte, beim Hochwasserschutz für Priwall und Altstadt, aber auch bei den Emissionen aus Verkehr und Haushalten, die sich bislang kaum verringert haben. Wir fordern die Verwaltung auf, uns regelmäßig über den Umsetzungsstand der Maßnahmen zu berichten, damit Bürgerschaft und Öffentlichkeit den Fortschritt nachvollziehen können", so Dr. Marek Lengen abschließend.

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